Wenn du den Dachstuhl eines Altbaus betrittst und es riecht muffig-chemisch, kann das an alten Holzschutzmitteln liegen. PCP (Pentachlorphenol) und Lindan (γ-Hexachlorcyclohexan) wurden von den 1960er bis in die 1990er Jahre massiv in Produkte wie Xylamon, Xyladecor und Basilit eingearbeitet — PCP gegen Pilze, Lindan gegen Insekten. Oft in Kombination.
Das Problem: Beide Substanzen gasen auch 30–40 Jahre nach der Anwendung noch aus. Und beide sind toxisch.
Wo wir alte Holzschutzmittel finden
In den Gebäuden, die wir begehen — vor allem Baujahr 1960–1990 — finden wir behandeltes Holz typischerweise an diesen Stellen:
- Dachstühle: Die klassische Fundstelle. Sparren, Pfetten, Kehlbalken — flächig gestrichen oder getaucht.
- Fachwerk und Holzbalkendecken: In Altbauten mit sichtbarem Holz.
- Kellerbalken: Feuchteexponiertes Holz wurde besonders intensiv behandelt.
- Holzverkleidungen und Täfelungen: Wandvertäfelungen, Deckenpaneele.
Erkennbar an bräunlicher, grünlicher oder öliger Verfärbung des Holzes. Manchmal riechst du es auch — ein süßlich-chemischer Geruch, besonders an warmen Tagen oder in schlecht belüfteten Räumen.
Warum PCP und Lindan problematisch sind
PCP: Leberschäden, Immunsuppression, Hauterkrankungen (Chlorakne). Die IARC stuft PCP als „möglicherweise krebserregend" ein (Gruppe 2B). Besonders tückisch: Technisches PCP enthält als Verunreinigung Dioxine und Furane — hochgiftige Substanzen, die sich im Körper anreichern. PCP ist in Österreich seit 1990 verboten.
Lindan: Neurotoxin, Leberschäden, endokrine Disruption. Die IARC stuft Lindan seit 2015 als Karzinogen der Gruppe 1 ein — gesichert krebserregend. Das EU-weite Verbot als POP (persistenter organischer Schadstoff) kam 2004.
Beide Substanzen reichern sich im Hausstaub an. In Dachgeschosswohnungen mit behandelten Sparren messen wir regelmäßig relevante Konzentrationen in der Raumluft — auch Jahrzehnte nach der Anwendung.
Als Orientierung gelten die deutschen Richtwerte: PCP 0,1 µg/m³ (Vorsorge), 1 µg/m³ (Eingreifschwelle). Lindan 0,5 µg/m³ in der Raumluft.
Wie wir Holzschutzmittel nachweisen
Wir entnehmen Holzspäne oder eine Staubprobe. Im Labor wird per GC-MS auf PCP, Lindan und verwandte Substanzen analysiert.
Eine Materialanalyse kostet ab 85 Euro. Bei Verdacht auf Raumluftbelastung — besonders bei Dachausbau oder ausgebautem Dachgeschoss — empfehlen wir eine Raumluftmessung (ab 250 Euro).
→ Mehr zum Holzschutzmittel-Test
Was du tun kannst
Behandeltes Holz in geschlossenen, unbelüfteten Räumen: Kein Aufenthaltsraum, bis Messung vorliegt.
Dachausbau geplant: Unbedingt vor dem Ausbau messen. Die Sanierungskosten bei PCP-belastetem Holz sind erheblich — Versiegelung (70–90 % Reduktion) oder Holzaustausch.
Belastung nachgewiesen, Wohnnutzung: Versiegelung der Holzoberflächen, intensive Belüftung, regelmäßige Kontrolle. In schweren Fällen: Holzaustausch.
Holzschutzmittel sind einer der Schadstoffe, die bei einem Schadstoff-Check vor dem Hauskauf (→ Schadstoffcheck) routinemäßig geprüft werden — besonders wenn der Dachstuhl ausgebaut ist oder werden soll.
Wann du dich melden solltest
Du planst einen Dachausbau in einem Gebäude vor 1990? Du riechst Chemie im Dachgeschoss? Du wohnst unter behandelten Sparren und hast Fragen?
15 Minuten Erstgespräch, kostenlos.