Was ist Asbest?
Asbest ist eine natürliche Mineralfaser, die wegen ihrer Hitzebeständigkeit, Festigkeit und Isolierwirkung jahrzehntelang in der Bauindustrie eingesetzt wurde. In Österreich war Asbest bis zum Verbot 1990 in über 3.000 Bauprodukten enthalten — von Dachplatten bis Fliesenkleber.
Das Problem: Wenn asbesthaltige Materialien beschädigt, bearbeitet oder abgebaut werden, setzen sie mikroskopisch kleine Fasern frei. Diese Fasern sind krebserregend und können Lungenkrebs, Mesotheliom und Asbestose verursachen — oft erst 20 bis 40 Jahre nach der Exposition.
Wo findet man Asbest in österreichischen Gebäuden?
In Gebäuden mit Baujahr vor 1990 kann Asbest praktisch überall stecken. Die häufigsten Fundorte:
- Dach und Fassade: Eternitplatten (Faserzement) — das bekannteste Asbestprodukt
- Fliesenkleber und Spachtelmassen: Besonders in Bädern und Küchen der 1960er–1980er
- Putze und Beschichtungen: Spritzasbest als Brandschutz, asbesthaltige Reibputze
- Bodenbeläge: Vinyl-Asbest-Platten (Floor Tiles), Cushion-Vinyl mit Asbestrücken
- Rohrummantelungen: Heizungs- und Wasserrohre mit Asbestisolierung
- Nachtspeicheröfen: Ältere Geräte mit asbesthaltiger Isolierung
- Brandschutztüren und -klappen: Asbesthaltige Einlagen
- Dichtungen und Schnüre: An Heizungsanlagen und Öfen
Gesundheitsrisiko und Grenzwerte
Asbest ist ein gesichertes Humankarzinogen (IARC Gruppe 1). Es gibt keinen sicheren Schwellenwert — jede Faserexposition erhöht das Krebsrisiko. In Österreich gilt:
- Die TRGS 519 ist eine deutsche Technische Regel für den Umgang mit Asbest bei Sanierung und Abbruch. Österreich hat kein eigenes Pendant; die TRGS 519 ist in der Praxis die Verfahrensgrundlage, nach der auch österreichische Fachbetriebe arbeiten
- Gebundener Asbest (z.B. intakte Eternitplatten) darf belassen werden, solange keine Fasern freigesetzt werden
- Schwach gebundener Asbest (Spritzasbest, Leichtbauplatten) muss in der Regel sofort entfernt werden
- Sanierungsarbeiten an asbesthaltigen Materialien dürfen nur von zertifizierten Fachfirmen durchgeführt werden
So testen wir auf Asbest
Asbest kann nur im Labor sicher nachgewiesen werden — eine Sichtprüfung reicht nicht. Unser Ablauf:
1. Begehung und Probenahme
Wir kommen persönlich und identifizieren verdächtige Materialien anhand von Baualter, Material und Einbausituation. Proben werden fachgerecht entnommen — ohne unnötige Faserfreisetzung.
2. Akkreditierte Laboranalyse
Die Proben gehen an ein nach ISO/IEC 17025 akkreditiertes Labor. Die Analyse erfolgt mittels Polarisationsmikroskopie oder Rasterelektronenmikroskopie (REM) und identifiziert die Asbestart (Chrysotil, Amosit, Krokydolith etc.).
3. Bericht und Empfehlung
Du erhältst einen verständlichen Bericht mit Risikobewertung und konkreten Handlungsempfehlungen: Belassen, überbauen, sanieren oder entfernen — mit Prioritäten und Kosteneinschätzung.
4. Ergebnisbesprechung
In einem 45-minütigen Telefon- oder Video-Termin besprechen wir den Befund gemeinsam: was wurde gefunden, was bedeutet das für dein Gebäude, welche nächsten Schritte sind sinnvoll, was hat Priorität. Verständlich, in deinem Tempo, mit Raum für Fragen.
Kosten
| Leistung | Preis |
|---|---|
| Begehungspauschale (1–2 h vor Ort, Probenahme, 45-min Ergebnisbesprechung) | €290 |
| Probe im Material (Vinyl, Dämmung, Folien …) | €69 |
| Probe in mineralischer Matrix (Zement, Beton, Putz) | €149 |
| Freimessung Raumluft — pro Messpunkt, bis 72 h | €390 |
| Video-Erstgespräch | kostenlos |
✻ In seltenen Fällen — bei besonderem Laboraufwand (z. B. stark verunreinigte Proben oder aufwendige Aufbereitung) — behalten wir uns einen Aufschlag von bis zu €30 pro Probe vor. Wir informieren dich vorab.
Unsicher, welche Matrix bei dir vorliegt? Wir klären das im kostenlosen Erstgespräch.
Akkreditierung & rechtlicher Hinweis
Laboranalysen führen wir in Partnerschaft mit nach ISO/IEC 17025 akkreditierten Laboren durch — derzeit über DAkkS (Deutsche Akkreditierungsstelle), im Rahmen der ILAC-MRA international anerkannt und in Österreich gleichwertig anwendbar.
Hinweis: Wir sind keine gerichtlich beeideten Sachverständigen. Für gerichtliche Verfahren mit höchstem Beweiswert empfehlen wir zusätzlich die Beauftragung eines gerichtlich beeideten Sachverständigen.
Auch KMF (Künstliche Mineralfasern) — faserig, gleiche Methode, anderes Risiko
Asbest und KMF sind beides Faserstoffe und werden im Labor mit derselben Methode (REM/EDX, ergänzend PLM) untersucht. Das Gesundheitsrisiko ist aber quantitativ und qualitativ unterschiedlich — diese Sektion ordnet das ehrlich ein.
Was IARC sagt (Stand 2002, gültig):
- Asbest, alle sechs Formen: Gruppe 1 — gesicherte Humankarzinogene (Mesotheliom, Lungenkrebs, Larynx, Ovar). IARC Monograph 100C (2012).
- Glaswolle, Steinwolle, Schlackenwolle (in Wohngebäuden): Gruppe 3 — nicht klassifizierbar. Herabstufung 2002 nach IARC Monograph 81; davor (1988, Vol. 43) noch Gruppe 2B. Die heutige Einstufung gilt für die seit ca. 2000/2002 verkehrsfähigen, biolöslichen Produkte.
- Refraktäre Keramikfasern (RCF) und bestimmte Spezial-Glasfasern: Gruppe 2B — möglicherweise karzinogen. Diese kommen in Industrieofen-Auskleidungen vor, kaum in Wohngebäuden.
„Alte" KMF (in Österreich vor 2002 in Verkehr gebracht): Solche Faserstoffe waren noch nicht nach EU-Biopersistenz-Kriterien (Note Q, EU-Richtlinie 97/69/EG) freigezeichnet. Sie gelten in Österreich nach BMLFUW-Erlass vom 10.03.2017 als gefährlicher Abfall mit „asbestähnlichen Eigenschaften" (Schlüsselnummer SN 31437g) — nicht weil sie wie Asbest krebserregend wirken, sondern weil die Biopersistenz im Lungengewebe nicht ausgeschlossen war.
Was das in Zahlen heisst: Bei Asbest existiert eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung für Mesotheliom bis hinunter zu beruflicher Hintergrundexposition. Für KMF in Wohngebäuden — auch alte — ist ein eigenständiger Mesotheliom-Effekt epidemiologisch nicht eindeutig nachgewiesen (in den großen Kohorten meist als asbest-konfundiert eingestuft). Die Bewertung folgt dem Faser-Paradigma nach Pott/Stanton (Dimension × Dosis × Durabilität): lang, dünn, biopersistent → kritisch, unabhängig von der chemischen Familie.
Wo KMF in österreichischen Wohngebäuden typischerweise verbaut ist: Dachdämmung (Zwischen- und Aufsparrendämmung), abgehängte Decken, WDVS-Fassadendämmung, Trennwände, Lüftungs- und Rohrisolierung. Erkennungszeichen für freigezeichnete Mineralwolle: RAL-Gütezeichen GZ 388 (seit 1999) oder EUCEB-Logo.
Wie wir analysieren: Rasterelektronenmikroskopie (REM) mit energiedispersiver Röntgenspektroskopie (EDX). Faserdurchmesser, Faserlänge und chemische Zusammensetzung — daraus lässt sich biopersistent (alte KMF) und biolöslich (freigezeichnete KMF) unterscheiden. Identischer Lab-Workflow wie bei Asbest.
Kosten KMF: wie bei der Asbest-Materialanalyse — ab €69 (Material), €149 (mineralische Matrix verpresst).
Rechtlich in Österreich: Alte KMF unterliegen der GKV 2011 (Grenzwerteverordnung, TRK 500.000 F/m³), der Abfallverzeichnisverordnung mit SN 31437g (gefährlicher Abfall), und für die Entfernung der ÖNORM B 3151 sowie der Recycling-Baustoffverordnung. Auf der europäischen Seite gilt der LoW-Code 17 06 03*. Die in deutschen Quellen häufig genannte TRGS 521 ist eine deutsche Technische Regel — sie ist für österreichische Auftraggeber nur als fachlich-orientierende Quelle relevant, nicht als verbindliche Norm.
Asbest-Selbsttest — Probennahme zuhause, Labor analysiert · €140
Manchmal reicht eine Probe. Du hast einen klar abgegrenzten Verdacht — eine Eternit-Platte, eine Vinylfliese, eine Bitumenpappe — und brauchst Klarheit, ohne dass wir extra anreisen müssen. Für diese Fälle bieten wir den Asbest-Selbsttest an: du entnimmst die Probe selbst (nach unserer Anleitung), das akkreditierte Labor analysiert, wir interpretieren das Ergebnis mit dir.
€140 für die Beratung. Probenkosten kommen separat (zum Laborpreis, ohne Aufschlag).
Was ist enthalten
- 40-min Vorgespräch (Video) — wir gehen gemeinsam dein Material durch, erklären die fachgerechte Probennahme Schritt für Schritt (PSA, Nassmethode, Verpackung, Beschriftung) und stellen sicher, dass du sicher arbeitest.
- Akkreditierte Laboranalyse — du sendest die Probe an unser Partnerlabor. Analyse nach ISO/IEC 17025 (DAkkS, im Rahmen der ILAC-MRA international anerkannt).
- Laborbericht (PDF) — der Originalbefund des Labors geht direkt an dich.
- 20-min Ergebnisbesprechung — wir besprechen den Befund, ordnen ein, geben konkrete Empfehlungen und Prioritäten.
Probenanzahl
- Laboranalyse wird separat zum Selbstkostenpreis abgerechnet (kein Aufschlag). Die Bearbeitungsgebühr für die ersten 4 Proben ist in den €140 enthalten.
- Ab Probe 5: zusätzlich €20 Bearbeitungsgebühr pro Probe (Laborkosten weiterhin zum Selbstkostenpreis).
- Folge-Proben innerhalb desselben Projekts: kein neuer Beratungspreis von €140. Du sendest weitere Proben einfach ein, zum gleichen Konditionsmodell. Das Projekt bleibt bei uns offen.
Für welche Materialien geeignet
✅ Geeignet für den Asbest-Selbsttest:
- Eternit / Faserzement (intakt, gebunden)
- Vinyl-Bodenfliesen mit Bitumen-/Asbestkleber
- Bitumenpappe / Bitumenklebstoff
- Fugenmassen (intakt, nicht bröckelnd)
- Brandschutzdichtungen (fest gebunden)
- PVC-Bodenbeläge mit Asbest in Klebstoff (kleinflächig)
❌ Nicht geeignet — hier braucht es eine Begehung vor Ort:
- Spritzasbest oder brüchige Asbestpappe
- Schaumstoff- / Faserisolierungen
- Stark verwittertes Eternit-Dach
- Rohr- / Heizungsdämmungen
- Material unbekannter Herkunft
- Mehrere Materialien oder ein ganzes Gebäude
Wenn sich vor Ort etwas anderes zeigt
Sollte sich im Vorgespräch herausstellen, dass dein Material nicht für den Asbest-Selbsttest geeignet ist (z.B. brüchiger als angenommen, Faserfreisetzung möglich): wir beenden das Vorgespräch und du bekommst die €140 als Anzahlung auf eine reguläre Begehung (€290) angerechnet. Niemand wird gebeten, mit etwas Riskantem zu hantieren.
Was, wenn wir mehr brauchen?
Manche Situationen brauchen mehr Begleitung als die Standard-Beratung. Diese Leistungen besprechen wir in der Ergebnisbesprechung — und nur, wenn sie für deine Situation tatsächlich sinnvoll sind:
- Schriftliches Protokoll — Zusammenfassung der Befunde und Empfehlungen in Schriftform, z.B. für Hauskauf-Verhandlungen oder Versicherung. Hinweis: kein gerichtlich beeidetes Gutachten.
- Sanierungs-Begleitung — Vermittlung zertifizierter Fachfirmen, Angebotsvergleich, Vertragsprüfung, Bauaufsicht. Für Sanierungen, die zwischen €5.000 und €50.000 liegen können, ist eine unabhängige Begleitung oft die billigste Versicherung.
Beide werden nach Bedarf und Aufwand angeboten — wir besprechen es, wenn es relevant wird.
Probennahme & Beweiswert — eine ehrliche Einordnung
Der Laborbericht ist akkreditiert. Da die Probe von dir entnommen wird (nicht von uns vor Ort), dokumentieren wir die Probennahme im Vorgespräch — die Beweiswirkung gegenüber Dritten kann jedoch hinter einer durch unseren Geochemiker entnommenen Probe zurückbleiben. Für Verfahren mit hoher Beweislast (Hauskauf-Streit, Versicherungs-Auseinandersetzung) empfehlen wir die Begehung.
Vorscreening starten
Damit wir sicherstellen können, dass dein Material für den Asbest-Selbsttest geeignet ist, beginnen wir mit einem kurzen Vorscreening — eine Material-Auswahl, ungefähr eine Minute. Wenn das Material passt, kommst du direkt zur Buchung.
Welche Normen gelten? Eine vollständige Übersicht der für die Asbestanalytik relevanten Normen und Protokolle (TRGS 517, VDI 3866, IFA 7487, CARB Method 435) mit Geltungsbereichen, Schwellenwerten und Primärquellen findet sich auf der eigenen Referenzseite: → /asbest-normen/.
Stand: 24. Mai 2026.
Häufige Fragen zum Asbest-Test
Asbest ist mit freiem Auge nicht erkennbar. Typische Verdachtsmaterialien sind Eternitplatten, Fliesenkleber, Spachtelmassen, Putze und Rohrummantelungen in Gebäuden vor 1990. Nur eine Laboranalyse kann Asbest sicher nachweisen oder ausschließen.
Eine Einzelanalyse auf Asbest kostet ab €69 pro Materialprobe (Vinyl, Dämmung, Folien). In mineralischer Matrix (Beton, Estrich, Putz) sind es €149 pro Probe. Eine Raumluft-Freimessung kostet €390 pro Messpunkt. Die Begehungspauschale liegt bei €290 (flat, unabhängig vom Scope). In seltenen Fällen — bei besonderem Laboraufwand — behalten wir uns einen Aufschlag von bis zu €30 pro Material-Probe vor und informieren dich vorab. Im kostenlosen Erstgespräch besprechen wir, wie viele Proben sinnvoll sind.
Eine Freimessung ist eine dokumentierte Raumluftmessung nach Abschluss einer Asbest-Sanierung. Sie beweist, dass keine Faserbelastung mehr in der Luft ist — als Nachweis gegenüber Behörden, Käufern oder Bewohnern. Bei uns kostet sie €390 pro Messpunkt und kann wahlweise als Clearance-Messung (Einmal-Nachweis) oder als Monitoring über bis zu 72 Stunden durchgeführt werden.
Die Laboranalyse dauert 3–10 Werktage. Den Bericht mit Bewertung und Handlungsempfehlung erhältst du innerhalb von 3 Werktagen nach dem Laborbefund.
Ja, seit 1990 ist die Herstellung und das Inverkehrbringen von Asbest in Österreich verboten. In bestehenden Gebäuden darf intaktes Asbest verbleiben, solange keine Fasern freigesetzt werden. Vor Sanierung oder Abbruch ist eine Untersuchung jedoch Pflicht.
Was kostet die Asbest-Sanierung?
Typische Sanierungskosten (Richtwerte)
- Asbest-Ofen (Holz-/Kohleofen)€500–€2.000
- Asbest-Dichtungenab €500
- Asbest-Bodenbeläge€1.000–€10.000
- Asbest-Dach (Eternit)ab €10.000
Eine Messung ab €69 gibt dir Klarheit — bevor aus einer Vermutung eine teure Überraschung wird.
Nach der Sanierung bieten wir eine Freimessung an: Raumluftmessung nach VDI 3492 mit REM-Analyse, um zu dokumentieren, dass keine Asbestfasern mehr in der Raumluft nachweisbar sind. Mehr zur Sanierungsbegleitung →
Asbest-Freimessung: Raumluft-Clearance ab €390
Nach einer Asbest-Sanierung brauchst du einen Nachweis, dass die Luft wieder sicher ist. Diese Freimessung ist in öffentlichen Gebäuden Pflicht — bei Privatsanierungen empfehlen wir sie trotzdem dringend. Unser Angebot:
- €390 pro Messpunkt — akkreditierte Laboranalyse (Faserzählung nach VDI 3492)
- Clearance-Messung (Einmal-Nachweis kurz vor Wiederbezug) oder Monitoring über bis zu 72 Stunden
- Dokumentierter Bericht als rechtssicherer Nachweis gegenüber Behörden, Käufern oder Mietern
- Integration in laufende Sanierungsbegleitung möglich (Scope situativ — Angebot nach Erstgespräch)
Wann Freimessung? Immer nach Asbest-Sanierung, vor Wiederbezug nach Abbruch- oder Umbauarbeiten, oder wenn du vor Kauf einer frisch sanierten Immobilie Gewissheit willst.