Schwermetalle in Gebäuden — mehr als nur Blei
Wenn von „Schwermetallen im Altbau" die Rede ist, denken die meisten zuerst an Blei in Wasserleitungen. Das ist berechtigt — aber es greift zu kurz. In österreichischen Gebäuden, je nach Baujahr und Nutzung, kommen mindestens sieben Schwermetalle in Frage, die alle mit derselben Methode (ICP-MS) in einer Probe nebeneinander bestimmt werden können.
Das Spektrum:
- Blei (Pb) — Wasserleitungen (vor 1945, teils bis 1960er), Bleiweiß und Bleimennige in Anstrichen (Fenster, Türen, Heizkörper, Geländer), Lötstellen an Kupferleitungen, Dachbleche und Anschlüsse, Fensterkitt, glasige Keramikglasuren.
- Cadmium (Cd) — Rote, gelbe, orange Lacke und Pigmente (Cadmiumsulfid, 1950er–1980er), galvanisierte Metallware älterer Bauart, PVC-Stabilisator in alten Bodenbelägen.
- Chrom (Cr, inkl. Cr-VI) — CCA-Holzschutz (Chrom-Kupfer-Arsen, Imprägnierung bis 1990er), chromathaltige Korrosionsschutz-Anstriche auf Stahlteilen, Zementanteile in alten Bauten (Cr-VI als Spurensubstanz).
- Arsen (As) — CCA-Holzschutz (siehe oben), alte Tapeten (Schweinfurter Grün — Kupferacetoarsenit, vor 1930), Pestizid-Rückstände in Stallungen und Lagerräumen alter Wirtschaftsgebäude.
- Nickel (Ni) — Galvanisierte Oberflächen, Niro-Bauteile (eher Allergenfrage als Toxizität).
- Kupfer (Cu) — Kupferleitungen (eher unbedenklich, aber relevant in der Wasseranalyse für die Bewertung von Lötstellen), Bordeauxbrühe und kupferhaltige Holzschutz/Pflanzenschutzmittel.
- Zink (Zn) — Verzinkter Stahl, alte Dachrinnen, Pigmente. Eher Marker für andere Metalle als selbst kritisch.
Quecksilber (Hg) — auf Anfrage. Themen: alte Thermometer-/Apparatur-Glasbruchstellen, Spiegelbeläge (vor 1900), Amalgam-Reste in zahnärztlichen Altpraxen, Industrielle Altlasten.
Wo wir analysieren — typische Probenarten
Trinkwasser und Wasserleitungen
Die häufigste Anfrage. Eine Wasserprobe (Stagnationsprobe nach ÖNORM oder Spülprobe) zeigt, was tatsächlich aus der Leitung kommt. €19 pro Element heißt: gezielter Pb-Test (genug, wenn der Verdacht klar ist) oder Multi-Element-Panel (€19 × Anzahl der Elemente). Der Trinkwasser-Grenzwert für Blei liegt in Österreich bei 10 µg/l (Trinkwasserverordnung); für Cadmium 5 µg/l; für Arsen 10 µg/l.
Farben, Lacke und Anstriche
Vor 1980 sehr häufig Blei (Bleiweiß, Bleimennige), in roten/gelben/orangen Lacken auch Cadmium. Material-Probe (€49 erstes Element, €29 weiteres) — wir vermessen die Anstrichprobe oder Farbsplitter. Wichtig vor jeder Sanierung mit Abschleifen oder Heißluftentfernung.
Holzschutz (CCA und kupferbasierte Mittel)
CCA-imprägniertes Bauholz erkennt man oft am grünlich-grauen Farbton. Bei Verdacht — Zaunpfähle, Carports, alte Spielplatzgeräte, Dachstuhl-Tragwerke — eine kleine Material-Probe per ICP-MS. Cr und As sind die kritischen Elemente.
Metallschutz und Korrosionsschutz
Bleimennige (Pb₃O₄) und Zinkchromat-Grundierungen auf Stahlteilen waren bis in die 1980er Standard im konstruktiven Stahlbau. Bei Restaurierung historischer Industrieobjekte oder älterer Brücken/Gitter zur Beprobung der Beschichtungsschichten.
Sonstige (Pigmente, Tapeten, Glasuren)
Alte Tapeten mit grünen Pigmenten („Schweinfurter Grün") können Arsen enthalten — heute eher in denkmalpflegerischer Beratung relevant. Keramik-Glasuren in Altbau-Fliesen können bleihaltig sein.
Gesundheitsrisiko — die wichtigsten Eckpunkte
- Blei ist ein Nervengift und besonders für Kinder gefährlich (neurologische Entwicklung, Lernschwierigkeiten, Nieren, Blutbildung). Es gibt keinen sicheren Schwellenwert für Kleinkinder.
- Cadmium akkumuliert in Niere und Knochen; nierengiftig; vom IARC als humankarzinogen Gruppe 1 eingestuft (Lunge bei Inhalation).
- Chrom-VI ist krebserregend (Lunge bei Inhalation, IARC Gruppe 1) — Cr-III ist demgegenüber relativ unbedenklich; daher unterscheiden wir bei Verdacht durch Speziation.
- Arsen ist humankarzinogen (Haut, Lunge, Blase, IARC Gruppe 1) und neurotoxisch; akkumuliert in Haaren und Nägeln.
- Quecksilber ist neurotoxisch und schädigt Nieren — auch sehr niedrige Konzentrationen können in geschlossenen Räumen relevant werden, wenn die Quelle dauerhaft ausdunstet.
So analysieren wir
Methode
ICP-MS (induktiv gekoppelte Plasma-Massenspektrometrie) — eine der empfindlichsten Methoden für Spurenmetalle in Wasser und Material. Eine Probe, viele Elemente, schon ab ppb-Bereich nachweisbar. Akkreditiert nach ISO/IEC 17025 (DAkkS, im Rahmen der ILAC-MRA international anerkannt).
Bei Bedarf zusätzlich: - Chrom-Speziation (Cr-III vs. Cr-VI) für eine genaue Risikobewertung im Holzschutz - Arsen-Speziation (anorganisch vs. organisch) bei Bewertung von Lebensmittel- oder Bodenproben
Ablauf
- Erstgespräch (kostenlos) — wir klären, welcher Probentyp und welche Elemente bei deinem Fall sinnvoll sind. Häufig reichen 2–4 zielgerichtete Elemente, nicht das ganze Panel.
- Probenahme — wir vor Ort (Begehung €290), oder du selbst nach Anleitung (Wasser nur — Materialproben mit Faser-/Staubrisiko empfehlen wir nicht in Eigenregie).
- Laboranalyse — ICP-MS bei akkreditiertem Partnerlabor.
- Bericht + Ergebnisbesprechung — klare Einordnung, Vergleich mit Grenzwerten, konkrete Empfehlungen.
Kosten
| Leistung | Preis |
|---|---|
| Wasser / Flüssigprobe — pro Element | €19 |
| Material / Feststoffprobe — erstes Element | €49 |
| Material / Feststoffprobe — jedes weitere Element auf derselben Probe | €29 |
| Begehungspauschale (1–2 h vor Ort, Probenahme, 45-min Ergebnisbesprechung) | €290 |
| Video-Erstgespräch | kostenlos |
Beispiele:
- Bleirohr-Check (nur Pb im Wasser): €19
- Voll-Panel Trinkwasser (Pb, Cd, Cr, As, Ni, Cu, Zn = 7 Elemente): €133
- Lackprobe nur auf Blei: €49
- Lackprobe auf Pb + Cd + Cr (3 Elemente, dieselbe Probe): €49 + 2 × €29 = €107
- Holzprobe auf CCA-Holzschutz (Cr + Cu + As, 3 Elemente): €49 + 2 × €29 = €107
Wir besprechen im Erstgespräch, welche Elemente bei deinem Fall tatsächlich relevant sind — meistens reichen 2–4 zielgerichtete Elemente.
Akkreditierung & rechtlicher Hinweis
Laboranalysen führen wir in Partnerschaft mit nach ISO/IEC 17025 akkreditierten Laboren durch — derzeit über DAkkS (Deutsche Akkreditierungsstelle), im Rahmen der ILAC-MRA international anerkannt und in Österreich gleichwertig anwendbar.
Hinweis: Wir sind keine gerichtlich beeideten Sachverständigen. Für gerichtliche Verfahren mit höchstem Beweiswert empfehlen wir zusätzlich die Beauftragung eines gerichtlich beeideten Sachverständigen.
Stand: 16. Mai 2026.
Häufige Fragen zu Blei & Schwermetallen
Standardmäßig Blei (Pb), Cadmium (Cd), Chrom (Cr, optional speziiert auf Cr-VI), Arsen (As), Nickel (Ni), Kupfer (Cu) und Zink (Zn). Quecksilber (Hg) und seltenere Elemente auf Anfrage. Die Analyse erfolgt per ICP-MS — derselbe Workflow, egal wie viele Elemente du untersuchen lässt.
Wasserproben: €19 pro Element (Pb allein €19; ein 7-Element-Panel im Trinkwasser also €133). Materialproben: €49 für das erste Element, €29 für jedes weitere am selben Probenmaterial (Pb in Farbe €49; Pb+Cd+Cr in derselben Farbe €107). Die Begehungspauschale liegt bei €290 (flat). Im kostenlosen Erstgespräch besprechen wir, welche Elemente bei deinem Verdacht sinnvoll sind — meistens reichen 2–4 zielgerichtete Elemente.
Bleirohre sind grau, weich und lassen sich mit einem Messer leicht einritzen. Sie kommen vor allem in Gebäuden vor 1945 vor, teilweise bis in die 1960er. Eine Wasserprobe (€19 für Pb) zeigt, ob Blei tatsächlich in dein Trinkwasser gelangt; eine Material-Lötstellenprobe (€49) bestätigt den Verdacht direkt am Rohr.
Ja, besonders in roten, orangen und gelben Lacken und Anstrichen aus den 1950er–1980er Jahren (Cadmiumsulfid als Pigment). Auch in alter galvanisierter Metallware und in PVC-Bodenbelägen aus dieser Zeit. Cadmium ist nierengiftig und krebserregend.
CCA-Holzschutzmittel (Chrom-Kupfer-Arsen, Salze) wurden in Österreich bis in die 1990er für imprägniertes Bauholz, Zaunpfähle und Spielplatzgeräte eingesetzt. Sie enthalten potenziell mobiles Chrom-VI und Arsen. Bei Verdacht (grünlich-graue Färbung des Holzes) lässt sich das eindeutig im Labor bestimmen.
Ja. Der Trinkwasser-Grenzwert für Blei in Österreich liegt bei 10 µg/l (Trinkwasserverordnung); für Cadmium 5 µg/l, für Arsen 10 µg/l. Schwermetalle akkumulieren im Körper. Für Kleinkinder und Schwangere gibt es bei Blei keinen sicheren Schwellenwert — auch Werte unter dem Grenzwert können neurologisch problematisch sein.
Ja, das ist sogar der häufigste Einstieg. €19 pro Element heißt: gezielter Pb-Check für €19 (genug, wenn der Verdacht eindeutig Bleirohre sind). Wenn du das ganze Panel willst, addiert es sich auf — wir besprechen vorher, welche Elemente bei deinem Fall sinnvoll sind.
Sanierung: Was kostet die Beseitigung?
Typische Sanierungskosten (Richtwerte)
- Bleirohre ersetzen (Wohnung)€1.000–€4.000
- Bleirohre ersetzen (Haus)€3.000–€10.000
- Bleifarbe kapseln / überstreichenab €500
- Bleifarbe fachgerecht entfernen€1.000–€5.000
- CCA-imprägniertes Holz ausbauen + entsorgensituativ
Ein gezielter Test ab €19 (Wasser) oder €49 (Material) gibt dir Klarheit — bevor du Renovierungskosten ohne Befund schätzst.
Nach der Sanierung bieten wir eine Kontrollmessung an. Mehr zur Sanierungsbegleitung →