Die Radon-Karte Österreich: So liest du sie richtig

Praxis-Ratgeber 3 Min. Lesezeit Dr. Maximilian Mandl

Die AGES stellt eine Radon-Karte für ganz Österreich bereit. Bunte Farben, Gemeindegrenzen, ein paar Zahlen. Sieht übersichtlich aus — aber was sagt dir die Karte wirklich? Und was zeigt sie nicht? Hier erklären wir, wie du die Karte richtig liest und warum sie allein nicht ausreicht.

Was die Radon-Karte zeigt

Die AGES-Radonkarte basiert auf dem Radon-Potenzial — einer Kombination aus geologischen Daten und tatsächlichen Messwerten in Gebäuden. Jede Gemeinde bekommt eine Farbe:

  • Grün: Geringes Radon-Potenzial
  • Gelb: Mittleres Radon-Potenzial
  • Orange/Rot: Hohes Radon-Potenzial

Die Auflösung ist die Gemeindeebene — jede Gemeinde hat genau einen Wert. Auf Basis dieser Daten hat Österreich über 100 Gemeinden als Radonschutzgebiete ausgewiesen (gemäß Strahlenschutzgesetz 2020, § 36). In diesen Gemeinden gelten besondere Anforderungen für Neubauten und Arbeitsplätze.

→ Interaktive Radon-Karte ansehen

Was die Farben konkret bedeuten

Grüne Gemeinde heißt: Im Durchschnitt niedrigere Radon-Werte. Es heißt nicht „kein Radon". Auch in grünen Gemeinden gibt es Häuser mit Werten über 300 Bq/m³.

Gelbe Gemeinde heißt: Mittleres Potenzial. Eine Messung ist bei Altbauten mit Kellernutzung oder Erdgeschoss-Wohnungen sinnvoll.

Orange oder rote Gemeinde heißt: Hohes Potenzial. Eine Messung ist dringend empfohlen — besonders wenn du viel Zeit in erdnahen Räumen verbringst.

Radonschutzgebiet heißt: Gesetzlich definierte Zone. Für Neubauten ist eine radondichte Bodenplatte Pflicht. Für Arbeitsplätze in Keller- und Erdgeschossräumen gilt eine Messpflicht.

Was die Karte nicht zeigt — und das ist der entscheidende Punkt

Die Karte zeigt Durchschnittswerte pro Gemeinde — nicht einzelne Häuser. Und genau das ist das Problem:

Lokale Geologie variiert innerhalb einer Gemeinde. Dein Haus kann auf einem Granitblock stehen, das Nachbarhaus 200 Meter weiter auf Schotter. Komplett unterschiedliche Radon-Werte — gleiche Farbe auf der Karte.

Gebäudekonstruktion fehlt komplett. Alter und Zustand der Bodenplatte, Kellerbauweise, Risse im Fundament, Rohrdurchführungen — das alles beeinflusst, wie viel Radon ins Haus gelangt. Die Karte weiß davon nichts.

Nutzungsverhalten spielt eine Rolle. Wie oft lüftest du? Stehen Kellerfenster offen oder geschlossen? Auch das beeinflusst die tatsächliche Konzentration in deinen Räumen.

Aus unserer Erfahrung: Wir messen regelmäßig Werte über 300 Bq/m³ in grünen Gemeinden — und niedrige Werte in roten. Die Karte gibt dir eine Orientierung, nicht mehr.

Wann du trotz „grüner" Gemeinde messen solltest

  • Altbau mit Kellerräumen, die als Wohnraum genutzt werden — Hobbyraum, Büro, Kinderzimmer im Souterrain
  • Haus in Hanglage oder auf Granituntergrund — geologisch höheres Potenzial, auch wenn die Gemeinde im Schnitt grün ist
  • Hauskauf — egal welche Farbe auf der Karte. Radon gehört zum Standard-Check. (→ Schadstoffcheck Hauskauf)
  • Kindergarten, Schule, Pflegeheim — überall, wo Menschen viele Stunden täglich in erdnahen Räumen verbringen

Wie eine Messung funktioniert

Radon wird mit passiven Dosimetern gemessen — kleine Kapseln, die mindestens 3 Monate in den betroffenen Räumen liegen. Idealerweise während der Heizperiode (Oktober bis März), wenn weniger gelüftet wird und die Werte am höchsten sind.

Ein Dosimeter kostet 30–50 Euro. Wir beraten dich, wo du sie platzierst und wie die Ergebnisse einzuordnen sind.

Ausführlich dazu: → Radon in Österreich und → Radon messen: Wie lange, wo, wie viele?

Wann du dich melden solltest

Du hast die Karte angeschaut und willst wissen, was sie für dein konkretes Haus bedeutet? Du planst einen Hauskauf und willst Radon messen lassen? Du lebst in einem Radonschutzgebiet und willst Gewissheit?

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