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Schadstoff-Guides Von Dr. Maximilian Mandl 5 Min. Lesezeit

Radon in Österreich: Vorkommen, Risiko, Messung und Recht

Radon ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Wo es in Österreich vorkommt und was die Radonschutzverordnung verlangt.

Radon ist ein radioaktives Edelgas. Es entsteht im Boden als Zerfallsprodukt von Uran und Radium, hat keinen Geruch, keine Farbe, keinen Geschmack, und ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs (WHO). Die einzige Möglichkeit, die Belastung im eigenen Haus zu kennen, ist eine Messung.

An der ETH Zürich haben wir Uran-Blei-Zerfallsreihen zur Altersbestimmung von Gesteinen genutzt, unter anderem an Mondproben. Dasselbe Zerfallswissen steht hinter der Frage, wie viel Radon sich in Wohnräumen anreichert. Dieser Text fasst zusammen, was zu Radon in Österreich belegt ist.

Was Radon ist und warum es gefährlich ist

Radon selbst atmet man größtenteils wieder aus. Gefährlich sind seine kurzlebigen Zerfallsprodukte, vor allem Isotope von Polonium, Blei und Bismut. Sie lagern sich an Staubpartikel an, gelangen beim Einatmen in die Lunge und bestrahlen das Gewebe mit Alphastrahlung. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC/WHO) stuft Radon als Karzinogen der Gruppe 1 ein, also als für den Menschen krebserregend.

Wie groß das Risiko ist, hat eine gemeinsame Auswertung von 13 europäischen Fall-Kontroll-Studien gezeigt (Darby et al., BMJ 2005): Das Lungenkrebsrisiko steigt um rund 16 Prozent je 100 Bq/m³ zusätzlicher Radonkonzentration in der Wohnraumluft. Der Zusammenhang ist linear und zeigt keine erkennbare Schwelle, es gibt also keinen Wert, unter dem das Risiko nachweislich null wäre. Bei Rauchern liegt das absolute Risiko um ein Vielfaches höher, weil sich beide Faktoren verstärken.

Warum Österreich betroffen ist

Radon stammt aus dem geologischen Untergrund. Gesteine mit erhöhtem Urangehalt, etwa Granit, Gneis und bestimmte Schiefer, setzen mehr Radon frei. Große Teile Österreichs liegen auf solchem Untergrund, und das schlägt sich in den Messwerten nieder: Im österreichischen nationalen Radonprojekt (ÖNRAP) liegt das geometrische Mittel der Radonkonzentration in Innenräumen bei rund 110 Bq/m³, also etwa dreimal so hoch wie der weltweite Durchschnitt von etwa 40 Bq/m³. Rund 6 Prozent der österreichischen Haushalte überschreiten den Referenzwert von 300 Bq/m³.

Ins Haus gelangt das Gas über den Boden. Im Winter wirkt der Kamineffekt: Warme Luft steigt auf und entweicht in den oberen Geschossen, im Untergeschoss entsteht ein leichter Unterdruck, und durch Risse im Fundament, Rohrdurchführungen und undichte Kellerwände wird radonhaltige Bodenluft nachgesogen. Deshalb sind Keller- und Erdgeschossräume am stärksten betroffen, und deshalb sind die Werte in der Heizperiode am höchsten.

Die Radon-Karte: Orientierung, keine Diagnose

Die AGES stellt eine interaktive Radonkarte für ganz Österreich bereit (geogis.ages.at). Sie beruht auf dem Radon-Potenzial, einer Kombination aus geologischen Daten und tatsächlichen Messwerten, und vergibt pro Gemeinde eine Einstufung: grün für geringes, gelb für mittleres, orange bis rot für hohes Potenzial.

Entscheidend ist, was die Karte nicht zeigt. Sie liefert einen Durchschnitt pro Gemeinde, nicht den Wert für ein einzelnes Haus. Die lokale Geologie variiert innerhalb einer Gemeinde, ein Haus kann auf Granit stehen, das Nachbarhaus 200 Meter weiter auf Schotter. Die Bauweise fehlt ganz: Alter und Zustand der Bodenplatte, Risse, Rohrdurchführungen, Kellernutzung. Auch das Lüftungsverhalten spielt mit. In der Praxis sehen wir regelmäßig Werte über 300 Bq/m³ in grün eingestuften Gemeinden und niedrige Werte in roten. Die Karte gibt eine Orientierung, keine Diagnose.

Unabhängig von der Kartenfarbe ist eine Messung sinnvoll bei Altbauten mit bewohnten Kellerräumen, bei Häusern in Hanglage oder auf Granituntergrund, vor einem Hauskauf, und überall dort, wo Menschen viele Stunden täglich in erdnahen Räumen verbringen, also in Kindergärten, Schulen und Pflegeheimen.

Richtig messen: wie lange, wo, wie viele

Eine Momentaufnahme taugt nichts, denn die Radonkonzentration schwankt je nach Wetter, Luftdruck und Lüftung innerhalb weniger Tage stark. Die belastbare Methode ist die Langzeitmessung mit passiven Kernspurdosimetern, kleinen Kapseln ohne Strom und Wartung.

  • Wie lange: mindestens drei Monate, idealerweise in der Heizperiode (Oktober bis März). Wer in der Heizperiode unter dem Referenzwert liegt, liegt im Jahresmittel ebenfalls darunter. Elektronische Kurzzeitmessungen über 24 bis 72 Stunden eignen sich nur als erstes Screening, nicht als Ersatz.
  • Wo: im meistgenutzten Aufenthaltsraum im Erd- oder Untergeschoss, nicht in Küche oder Bad, wo viel gelüftet wird. Im Raum auf etwa 1 bis 1,5 Meter Höhe, mindestens 20 cm von der Wand entfernt, nicht am Fenster, nicht auf der Heizung, nicht hinter Möbeln.
  • Wie viele: mindestens eines im meistgenutzten Raum. Für ein vollständiges Bild zwei bis drei, etwa Keller, Erdgeschoss und Schlafzimmer.

Was die Werte bedeuten

Gemessen wird in Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³).

  • Unter 100 Bq/m³: unauffällig, kein Handlungsbedarf.
  • 100 bis 300 Bq/m³: einfache Maßnahmen sinnvoll, etwa regelmäßiges Lüften und das Abdichten offensichtlicher Eintrittspfade im Keller.
  • Über 300 Bq/m³: Sanierungsmaßnahmen empfohlen. 300 Bq/m³ ist der Referenzwert der Radonschutzverordnung.

Der rechtliche Rahmen

Radon ist in Österreich geregelt durch das Strahlenschutzgesetz 2020 (BGBl. I Nr. 50/2020) und die darauf gestützte Radonschutzverordnung (RnV), BGBl. II Nr. 470/2020, beide in Umsetzung der EU-Grundnormen (Richtlinie 2013/59/Euratom). Die Verordnung legt einen Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel fest, sowohl in Aufenthaltsräumen von Wohngebäuden als auch an Arbeitsplätzen. Das ist kein Grenzwert im juristischen Sinn, sondern der Wert, ab dem Maßnahmen vorgesehen sind.

Die Verordnung unterscheidet dabei zwei Gebietstypen. 104 Gemeinden, deren prognostizierte mittlere Radonkonzentration den Referenzwert überschreitet, sind als Radonschutzgebiete ausgewiesen; dort besteht für Arbeitsplätze in Keller- und Erdgeschossräumen eine Messpflicht. Auf einer eigenen, breiteren Gemeindeliste legt die Verordnung Radonvorsorgegebiete fest, in denen für neu errichtete Gebäude Radonvorsorgemaßnahmen vorgeschrieben sind, in der Praxis vor allem eine radondichte Ausführung der Bodenplatte.

Was man tun kann

Radon gehört zu den am besten beherrschbaren Schadstoffproblemen im Gebäude: Die Messung ist günstig und eindeutig, und die Gegenmaßnahmen wirken. Bei moderat erhöhten Werten helfen oft schon eine bessere Kellerlüftung und das Abdichten von Rissen und Rohrdurchführungen. Die wirksamste aktive Maßnahme ist die Radonabsauganlage, eine Unterdruckbelüftung unter der Bodenplatte, die das Gas abfängt, bevor es ins Haus gelangt; ihre Auslegung und Installation gehört in Fachhände. Bei Neubauten in Radonvorsorgegebieten ist die radondichte Bodenplatte ohnehin Standard.

Quellen

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