KMF: Wann alte Dämmung zum Problem wird

Schadstoff-Guides 3 Min. Lesezeit Dr. Maximilian Mandl

Künstliche Mineralfasern — Glaswolle, Steinwolle, Schlackenwolle — sind der meistverwendete Dämmstoff in Österreich. An sich kein Problem. Aber wenn du ein Gebäude aus den 1970er oder 80er Jahren sanierst und in der Zwischendecke gelbliche, brüchige Dämmmatten findest, lohnt sich ein genauerer Blick.

Alt vs. neu: Der entscheidende Unterschied

Vor Mitte der 1990er Jahre hergestellte KMF enthalten Fasern, die der Körper schlecht abbauen kann. Sie sind biopersistent — sie bleiben in der Lunge. Die IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) stuft diese älteren Fasern als „möglicherweise krebserregend" ein (Gruppe 2B).

Seit etwa 1996 gelten in der EU strenge Anforderungen an die Biolöslichkeit. Moderne Mineralwolle löst sich im Körper relativ schnell auf und gilt als unbedenklich. Erkennbar am RAL-Gütezeichen oder am Zusatz „biolöslich" auf der Verpackung.

Die Frage bei jeder Sanierung ist also: alt oder neu?

Wo wir alte KMF finden

In den Gebäuden, die wir begehen — vor allem Baujahr 1965–1995 — finden wir alte KMF typischerweise an diesen Stellen:

  • Zwischensparrendämmung im Dachstuhl
  • Hohlraumdämmung in Leichtbauwänden
  • Rohrisolierungen im Keller
  • Trittschalldämmung unter Estrichen
  • Abgehängte Decken in Büro- und Gewerbebauten

Die Materialien sind oft gelblich verfärbt, brüchig, und stauben bei Berührung. Genau dieses Stauben ist das Problem: Es setzt Fasern frei, die in die Raumluft gelangen.

Wann du handeln musst

Alte KMF in geschlossenen Hohlräumen (Wand, Dach, unter Estrich): Kein akuter Handlungsbedarf, solange die Dämmung nicht gestört wird und keine offene Verbindung zum Wohnraum besteht.

Alte KMF in offenem Kontakt mit der Raumluft (z. B. offene Decken, sichtbare Dämmung): Raumluftmessung empfohlen. In Österreich gilt ein Grenzwert von 50.000 Fasern/m³.

Sanierung geplant, alte KMF muss raus: Schutzmaßnahmen Pflicht — Atemschutz (mindestens FFP2), Schutzkleidung, Abschottung des Bereichs, HEPA-Absaugung. Alte KMF ist gefährlicher Abfall und darf nicht über den Hausmüll entsorgt werden.

Was wir machen

Wenn bei einer Begehung Dämmung auffällt, die alt aussieht und kein Gütezeichen trägt, nehmen wir eine Materialprobe. Im Labor wird per Rasterelektronenmikroskopie (REM) bestimmt, ob es sich um biopersistente Fasern handelt.

Die Analyse kostet ab 95 Euro. Ergebnis in 5–7 Werktagen. Damit weißt du, ob du bei deiner Sanierung besondere Vorsichtsmaßnahmen brauchst — oder ob die Dämmung unbedenklich ist.

→ Mehr zur KMF-Analyse

Der pragmatische Blick

KMF ist nicht Asbest — der Vergleich wird oft gezogen, aber die Unterschiede sind wichtig. Asbest ist deutlich gefährlicher und erfordert strengere Sanierungsmaßnahmen (→ Asbest erkennen). Bei KMF ist das Risiko geringer, die Maßnahmen sind einfacher, die Kosten sind überschaubar. Aber ignorieren solltest du es nicht — gerade wenn du einen Dachausbau oder eine Kernsanierung planst.

Eine Probe vor dem Rausreißen gibt dir Klarheit und schützt die Handwerker, die die Arbeit machen.

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