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Schadstoff-Guides Von Dr. Maximilian Mandl 4 Min. Lesezeit

Asbest erkennen, bevor du sanierst

Asbest steckt in 70 % der Gebäude aus den 1960er–1980er Jahren. Wo du ihn findest, wann er gefährlich wird, und was eine Probe kostet.

Asbest ist ein Silikat-Mineral — ein natürliches Gestein, das sich in haarfeine Fasern aufspalten lässt. Diese Eigenschaft hat es zum meistverwendeten Baustoff des 20. Jahrhunderts gemacht und gleichzeitig zum gefährlichsten. Unter dem Elektronenmikroskop sehen Asbestfasern aus wie Nadeln. In der Lunge verhalten sie sich auch so.

Bei unseren Begehungen finden wir Asbest in etwa 70 % der Gebäude aus den 1960er bis 1980er Jahren — meistens dort, wo niemand damit rechnet.

Wo Asbest in österreichischen Gebäuden steckt

Asbest war in über 3.000 Produkten verbaut. In den Gebäuden, die wir in Wien, Niederösterreich und der Steiermark begehen, finden wir es am häufigsten an diesen Stellen:

  • Eternitplatten an Dach und Fassade (10–15 % Asbestfasern in Zementmatrix)
  • Vinyl-Bodenbeläge der 1960er–1980er mit schwarzer Asbestpappe als Trägerschicht
  • Fliesenkleber und Spachtelmassen, besonders aus den 1960er und 70er Jahren
  • Nachtspeicheröfen mit asbesthaltiger Dämmung hinter der Verkleidung
  • Rohrisolierungen im Keller — graue, filzige Ummantelungen um Heizungsrohre
  • Dichtungsschnüre in Öfen, Boilern, Kaminanschlüssen
  • Asbestpappen in alten Sicherungskästen

Das Tückische: Mit bloßem Auge erkennst du Asbest nicht. Asbestzement sieht aus wie normaler Faserzement. Eine sichere Identifizierung geht nur über eine Laboranalyse.

Asbest ist übrigens nicht der einzige Schadstoff, der bei Altbausanierungen auftaucht. Unter alten Parkettböden steckt oft PAK-haltiger Kleber (→ PAK im Altbau), und bei der Faserdämmung im Dachstuhl kann es sich um alte KMF handeln, die einer eigenen Analyse bedarf (→ KMF: Wann alte Dämmung zum Problem wird).

Wann Asbest gefährlich ist — und wann nicht

Die wichtigste Nachricht zuerst: Solange Asbest intakt und ungestört ist, ist er nicht gefährlich. Erst wenn du bohrst, schleifst, abreißt oder das Material verwittert, werden Fasern frei. Und genau deshalb misst du vorher.

Die Gefahr hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Bindungsart: Fest gebundener Asbest (z. B. Eternitplatten, Asbestzement) enthält 10–15 % Fasern in einer harten Matrix. Solange die Oberfläche intakt ist, werden kaum Fasern freigesetzt. Schwach gebundener Asbest (Spritzasbest, Asbestpappen, Schnüre) enthält höhere Faseranteile in lockerer Bindung — hier reicht schon eine Berührung.

  2. Zustand: Intakte Oberfläche? Geringes Risiko. Brüchig, verwittert, beschädigt? Handlungsbedarf.

Für Asbest gibt es keinen sicheren Schwellenwert. Der deutsche Arbeitsplatzgrenzwert (TRGS 910: 10.000 F/m³) wird in Österreich als Orientierung verwendet; einen eigenen Raumluft-Grenzwert hat Österreich bisher nicht festgelegt. Wenn wir bei einer Begehung schwach gebundenen Asbest in schlechtem Zustand finden, empfehlen wir eine Raumluftmessung, um die tatsächliche Belastung zu klären. Details zu den einschlägigen Normen und Schwellenwerten: Asbest-Normen im Vergleich.

Was Asbest im Körper macht

Asbestfasern sind so fein, dass sie die natürlichen Filter der Atemwege umgehen und tief in die Lunge eindringen. Dort kann der Körper sie nicht abbauen — sie bleiben. Über Jahre und Jahrzehnte können sie Lungengewebe vernarben (Asbestose), Lungenkrebs auslösen oder ein Mesotheliom verursachen — einen aggressiven Tumor des Lungenfells.

Die Latenzzeit ist das Perfide: Zwischen Exposition und Erkrankung liegen typischerweise 20–40 Jahre. Wer heute erkrankt, wurde in den 1970ern oder 80ern exponiert.

Deshalb geht es bei Asbest nicht um Panik, sondern um Prävention: Vor jeder Sanierung wissen, was verbaut ist.

Was eine Probe kostet und wie sie abläuft

Wir kommen vorbei, begutachten das Gebäude und entnehmen gezielt Materialproben an verdächtigen Stellen — fachgerecht, ohne unnötige Faserfreisetzung. Die Proben gehen an ein akkreditiertes Labor (ISO/IEC 17025). Nach 3–10 Werktagen hast du ein Ergebnis: Asbest nachgewiesen oder nicht.

Eine Analyse kostet ab €69 pro Probe (mineralische Matrix €149). Bei einem typischen Altbau-Check nehmen wir 5–10 Proben, je nachdem, wie viele verdächtige Materialien wir finden.

→ Mehr zum Asbest-Test

Was du mit dem Ergebnis machst

Kein Asbest nachgewiesen? Sanierung kann losgehen.

Fest gebundener Asbest in gutem Zustand? Kann oft belassen werden. Wir dokumentieren Lage und Zustand, damit du und deine Baufirma wissen, was wo ist. Bei Bedarf: Regelmäßige Kontrolle, ob sich der Zustand verändert.

Asbest muss raus? Dann nur durch eine zertifizierte Sanierungsfirma. In Österreich regelt die Asbest-Verordnung die Vorgehensweise: Abschottung, Unterdruck, Schutzausrüstung, Freimessung danach. Wir begleiten Sanierungen auf Wunsch als unabhängiger Gutachter — mit Echtzeit-Luftmonitoring, damit du weißt, dass während der Arbeiten alles sauber bleibt.

Typische Sanierungskosten in Österreich: Asbest-Ofen €500–€2.000. Asbest-Böden €1.000–€10.000. Asbest-Dach ab €10.000, je nach Fläche.

Wann du dich melden solltest

Du willst die alten Bodenfliesen rausreißen? Stopp. Du planst eine Fassadensanierung an einem Gebäude vor 1990? Stopp. Du kaufst ein Haus und siehst Eternitplatten am Dach? Stopp.

Bevor du irgendetwas aufreißt: Probe nehmen. Das kostet einen Bruchteil dessen, was eine nachträgliche Asbestsanierung kostet, wenn du ohne Wissen Fasern freigesetzt hast.

In Österreich regelt die BauV (Bauarbeiterschutzverordnung), dass vor Sanierungs- und Abbrucharbeiten an Gebäuden vor 1993 geprüft werden muss, ob Asbest vorhanden ist. Das ist keine Empfehlung, sondern Pflicht.

15 Minuten Erstgespräch, kostenlos. Wir sagen dir, ob und welche Proben sinnvoll sind.

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