Radon in Österreich: Was du wissen musst

Schadstoff-Guides 4 Min. Lesezeit Dr. Maximilian Mandl

Radon ist ein Enkelkind des Urans — ein radioaktives Edelgas, das im Boden entsteht und durch Risse und Fugen ins Haus steigt. Kein Geruch, keine Farbe, kein Geschmack. Und trotzdem nach Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

An der ETH habe ich Uran-Blei-Zerfallsreihen zur Altersbestimmung von Gesteinen genutzt — unter anderem bei Mond- und Marsproben. Bei Ungiftig nutzen wir dasselbe Wissen anders: Wir messen, wie viel Radon sich in deinen Wohnräumen anreichert, und sagen dir, ob du handeln musst.

Warum gerade Österreich?

Österreich hat ein Radonproblem, das vielen nicht bewusst ist. Die durchschnittliche Radonkonzentration in Innenräumen liegt bei rund 110 Bq/m³ (geometrisches Mittel, ÖNRAP 2) — fast dreimal so hoch wie der weltweite Durchschnitt von 40 Bq/m³. Zum Vergleich: Deutschland liegt bei 65, die Schweiz bei 75.

Der Grund ist die Geologie. Große Teile des Landes liegen auf Gesteinen mit erhöhtem Urangehalt — Granit, Gneis, bestimmte Schiefer. 104 Gemeinden sind als Radonschutzgebiete ausgewiesen, vor allem in Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol. Aber auch außerhalb dieser Gebiete messen wir regelmäßig Werte über dem Referenzwert.

Die AGES stellt eine Radonkarte bereit, die einen ersten Überblick gibt. Aber eine Karte ersetzt keine Messung. Denn ob Radon tatsächlich in dein Haus eindringt, hängt nicht nur von der Region ab, sondern von der Bauweise: Alter der Bodenplatte, Risse im Fundament, Rohrdurchführungen, Belüftung des Kellers. Zwei Nachbarhäuser können völlig unterschiedliche Werte haben.

→ Zur interaktiven Radon-Karte Österreich

Was Radon im Körper macht

Radon selbst atmest du wieder aus. Gefährlich sind seine Zerfallsprodukte — Polonium, Blei, Bismut. Die heften sich an Staubpartikel, gelangen in die Lunge und bestrahlen das Gewebe mit Alphastrahlung. Die WHO stuft Radon als Karzinogen der Gruppe 1 ein. Eine Erhöhung um 100 Bq/m³ steigert das Lungenkrebsrisiko um etwa 16%. Bei Rauchern potenziert sich das Risiko.

Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, einmal nachzumessen.

Übrigens: Radon ist nicht der einzige unsichtbare Schadstoff im Altbau. Auch Blei in Farben und Rohren lässt sich weder sehen noch riechen — und ist in Gebäuden vor 1970 häufig. Mehr dazu: → Blei im Altbau

Wie du Radon misst

Die Standardmethode ist eine Langzeitmessung über mindestens drei Monate mit einem passiven Dosimeter — einem kleinen Kunststoffbehälter, der die Alphastrahlung auf einer Folie registriert. Am besten während der Heizperiode, wenn Fenster und Türen häufiger geschlossen sind.

So ein Dosimeter kostet zwischen 30 und 50 Euro, du legst es in den Wohnraum oder Keller, und nach drei Monaten schickst du es ans Labor. Das Ergebnis kommt als Bq/m³-Wert.

Wir helfen dir bei der Planung (wo genau messen, wie viele Dosimeter, welcher Zeitraum) und bei der Auswertung. Denn die Zahl allein sagt wenig — sie braucht Kontext.

Was die Werte bedeuten

In Österreich gilt ein Referenzwert von 300 Bq/m³ für bestehende Gebäude. Das ist kein Grenzwert im juristischen Sinn, aber der Wert, ab dem die Strahlenschutzverordnung Maßnahmen empfiehlt.

Unsere Einordnung aus der Praxis:

  • Unter 100 Bq/m³: Kein Handlungsbedarf. Normaler Hintergrund.
  • 100–300 Bq/m³: Einfache Maßnahmen sinnvoll — regelmäßiges Lüften, Abdichtung offensichtlicher Eintrittspfade.
  • Über 300 Bq/m³: Sanierungsmaßnahmen empfohlen. Eine Radon-Absauganlage unter der Bodenplatte reduziert die Konzentration um 85–98%.
  • Über 1000 Bq/m³: Zügig handeln. Solche Werte sind in Österreich selten, aber wir haben sie in schlecht belüfteten Kellern schon gemessen.

Was du tun kannst

Radon ist eines der am einfachsten lösbaren Schadstoffprobleme im Gebäude. Die Messung ist günstig, die Ergebnisse sind eindeutig, und die Gegenmaßnahmen funktionieren nachweislich.

Die wirksamste Methode: eine Radon-Absauganlage (Unterdruckbelüftung unter der Bodenplatte). Kostet typischerweise 2.000–5.000 Euro und reduziert die Radonkonzentration um 85–98%. Bei Neubauten in Schutzgebieten gehört eine radondichte Bodenplatte zur Bauvorschrift.

Einfachere Maßnahmen, die oft schon helfen: Kellerlüftung verbessern, Risse in der Bodenplatte abdichten, Rohrdurchführungen versiegeln.

Wann du dich melden solltest

Du kaufst ein Haus? Messen. Du wohnst in einem Radonschutzgebiet? Messen. Du verbringst viel Zeit im Keller oder Erdgeschoss eines Altbaus? Messen.

Eine Radonmessung ist Teil unseres Schadstoff-Checks vor dem Hauskauf und auch als Einzelanalyse buchbar.

→ Mehr zur Radon-Messung

Wenn du unsicher bist, ob eine Messung in deinem Fall sinnvoll ist: 15 Minuten Erstgespräch, kostenlos. Wir sagen dir ehrlich, ob es sich lohnt.

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