Du hast gerade saniert oder neu gebaut — und es riecht. Nach Farbe, nach Chemie, nach „neu". Das sind mit hoher Wahrscheinlichkeit VOC: flüchtige organische Verbindungen, die aus frischen Baumaterialien ausgasen. In den meisten Fällen ist das unangenehm, aber harmlos. In manchen Fällen nicht.
VOC (Volatile Organic Compounds) umfassen Hunderte verschiedener Substanzen — Formaldehyd, Toluol, Xylol, Styrol, Limonen, und viele mehr. Sie gasen aus Farben, Lacken, Klebstoffen, Bodenbelägen, Möbeln und Dichtmassen aus.
Woher VOC kommen
In den Gebäuden, die wir nach einer Sanierung begutachten, finden wir die häufigsten VOC-Quellen an diesen Stellen:
- Farben und Lacke: Auch „lösemittelfreie" Produkte gasen in den ersten Wochen messbar aus.
- Bodenbeläge: Vinyl, Laminat und deren Klebstoffe. Besonders Parkettkleber und Versiegelungen.
- Möbel: Spanplatten, MDF — vor allem bei günstigen Möbeln. Hauptquelle für Formaldehyd.
- Dämmstoffe und Montageschäume: PU-Schäume, XPS-Platten.
- Silikondichtungen und Fugenmassen: Frische Silikone gasen Essigsäure oder Oxime aus.
Die gute Nachricht: Die meisten VOC-Konzentrationen sinken in den ersten 4–8 Wochen um etwa 80 %. Die schlechte: Manche Quellen — besonders Formaldehyd aus Spanplatten — gasen über Monate oder Jahre weiter.
Wann VOC ein Problem sind
Nicht jeder Geruch ist gefährlich. Aber anhaltende Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Schleimhautreizungen, Übelkeit oder Konzentrationsprobleme nach einer Sanierung solltest du ernst nehmen.
Formaldehyd ist die kritischste Einzelsubstanz — von der IARC als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft. Die WHO empfiehlt einen Richtwert von 0,1 mg/m³ in der Raumluft.
Für die Gesamtbelastung gilt: Ein TVOC-Wert (Total VOC) unter 300 µg/m³ ist hygienisch unbedenklich. Zwischen 300 und 1.000 µg/m³ kann es bei empfindlichen Personen zu Beschwerden kommen. Über 1.000 µg/m³ ist Handlungsbedarf.
Wie wir VOC messen
Wir nehmen Raumluftproben — entweder über Aktivkohleröhrchen oder TENAX-Adsorbentien, die über definierte Zeiträume Luft ansaugen. Die Analyse erfolgt per GC-MS im Labor. Für Formaldehyd verwenden wir separate DNPH-Kartuschen.
Das Ergebnis: Eine detaillierte Aufschlüsselung aller nachgewiesenen Einzelsubstanzen mit Konzentration, plus TVOC-Summe. Damit lässt sich die Quelle oft eingrenzen.
Eine VOC-Raumluftmessung kostet ab 250 Euro. Ergebnis in 7–10 Werktagen.
Was du tun kannst
Intensiv lüften: In den ersten Wochen nach einer Sanierung ist Stoßlüften (3–4 Mal täglich, 10–15 Minuten) die wirksamste Maßnahme. Bei Neubezug möglichst 2–4 Wochen vor Einzug heizen und lüften.
Quelle identifizieren: Wenn die Beschwerden nach Wochen nicht nachlassen, hilft eine Raumluftmessung, die konkrete Quelle einzugrenzen — und gezielt zu handeln statt alles auszutauschen.
Materialwahl: Für zukünftige Sanierungen: Produkte mit EMICODE EC1, Blauer Engel oder natureplus-Siegel gasen deutlich weniger aus.
VOC sind übrigens ein typisches Problem bei Neubau und Sanierung — ganz anders als die Altbauschadstoffe PAK (→ PAK im Altbau) oder Asbest. Eine unabhängige Sanierungsbegleitung (→ Warum ein unabhängiger Begleiter) hilft, solche Probleme von vornherein zu vermeiden.
Wann du dich melden solltest
Du hast nach einer Sanierung anhaltende Beschwerden? Es riecht auch nach Wochen noch intensiv? Du willst vor dem Einzug in einen Neubau sicherstellen, dass die Raumluft sauber ist?
15 Minuten Erstgespräch, kostenlos.