Du reißt altes Parkett raus und darunter ist eine schwarze, teerartige Schicht. Stopp. Das könnte PAK-haltiger Kleber sein — und der gehört zu den unangehmsten Überraschungen bei Altbausanierungen.
Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind eine Gruppe von über 100 Verbindungen, die aus verschmolzenen Kohlenstoffringen bestehen. Sie entstehen bei unvollständiger Verbrennung und stecken in Steinkohlenteer — einem Material, das zwischen den 1950er und 1980er Jahren massiv als Kleber und Abdichtung verbaut wurde.
Wo PAK im Altbau stecken
In den österreichischen Gebäuden, die wir begehen, finden wir PAK fast immer an denselben Stellen:
- Parkettkleber: Die schwarze Schicht unter altem Stabparkett. Teerhaltiger Kleber kann bis zu 50.000 mg/kg PAK enthalten — das ist extremer Sondermüll. Besonders häufig in Gebäuden der 1950er–1970er.
- Dachpappen und Abdichtungen: Teerhaltige Bahnen auf Flachdächern und in Kellern.
- Teeranstriche: Schwarze Anstriche auf Kellermauerwerk als Feuchtigkeitssperre.
- Gussasphalt-Estriche: In manchen Altbauten als Bodenunterlage.
Der typische Hinweis: Du siehst schwarzes, teerartiges Material und riechst einen charakteristischen Teergeruch — manchmal auch einen mottenkugelartigen Geruch (das ist Naphthalin, der flüchtigste PAK).
Warum PAK ein Problem sind
PAK sind nicht nur im Material ein Problem. Sie gasen über Jahrzehnte aus und reichern sich im Hausstaub an. Benzo[a]pyren, die bekannteste Einzelverbindung, ist von der WHO als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft — gesichert krebserregend.
Im Körper werden PAK von der Leber in wasserlösliche Metaboliten umgewandelt. Dabei entstehen hochreaktive Zwischenprodukte (Epoxide), die sich an die DNA binden und Mutationen auslösen können. Betroffen sind vor allem Lunge, Haut und Blase.
Das Risiko ist dosisabhängig. Intakter, versiegelter Parkettboden über PAK-Kleber: überschaubar. Offenliegender PAK-Kleber in Wohnräumen: Handlungsbedarf. Und beim Schleifen, Fräsen oder Abreißen ohne Schutzmaßnahmen: akute Gefahr.
Wie wir PAK nachweisen
Wir entnehmen eine Materialprobe — ein kleines Stück des verdächtigen Klebers oder der Abdichtung. Die Probe geht ins akkreditierte Labor, wo sie mittels GC-MS (Gaschromatografie-Massenspektrometrie) auf die 16 EPA-PAK analysiert wird.
Entscheidend ist der Benzo[a]pyren-Gehalt (BaP) und die PAK-Gesamtsumme. In Österreich gelten teerhaltige Materialien als gefährlicher Abfall, wenn sie die gefahrenrelevante Eigenschaft HP 7 (karzinogen) erfüllen. In Deutschland ist die Einstufung konkreter geregelt: Ab 50 mg/kg Benzo[a]pyren oder 1.000 mg/kg PAK-Summe wird Material als gefährlicher Abfall eingestuft (LAGA M20). Teerhaltiger Parkettkleber überschreitet diese Werte oft um das Zehn- bis Fünfzigfache.
Eine Analyse kostet ab 95 Euro pro Probe. Ergebnis in 5–7 Werktagen.
Bei Verdacht auf Raumluftbelastung (du riechst Teer, du wohnst über offenem PAK-Kleber) können wir auch eine Raumluftmessung auf Naphthalin und andere flüchtige PAK veranlassen.
Was du tun solltest
Vor der Sanierung: Wenn dein Gebäude vor 1980 gebaut wurde und du alte Bodenbeläge entfernen willst — lass vorher prüfen. Eine Probe kostet einen Bruchteil dessen, was eine nachträgliche PAK-Sanierung kostet.
PAK-Kleber gefunden: Nicht selbst schleifen, fräsen oder rausreißen. Der Staub verteilt sich in der gesamten Wohnung und setzt sich im Hausstaub fest. Fachgerechte Entfernung bedeutet: Abschottung, Unterdruck, HEPA-Absaugung, Schutzausrüstung. In Österreich gelten die Vorgaben der GKV (Grenzwerteverordnung).
Boden intakt und kein Geruch: Kein akuter Handlungsbedarf. Dokumentieren und bei der nächsten Sanierung berücksichtigen.
Kosten einer PAK-Sanierung: Die fachgerechte Entfernung von PAK-Kleber liegt typischerweise bei 80–180 €/m², je nach Fläche und Zugänglichkeit. Klingt viel — ist aber kalkulierbar. Was nicht kalkulierbar ist: die Kosten, wenn du erst nach dem unsachgemäßen Abreißen feststellst, was du freigesetzt hast.
Wann du dich melden solltest
Du planst eine Bodensanierung in einem Altbau? Du siehst schwarze Schichten unter dem Parkett? Du riechst Teer in der Wohnung?
PAK ist übrigens nur einer der Schadstoffe, die bei Altbausanierungen auftreten. In Gebäuden vor 1990 steckt oft auch Asbest in Bodenbelägen und Klebern (→ Asbest erkennen), und in Häusern vor 1970 findest du häufig Blei in Farben und Rohren (→ Blei im Altbau).
Wir kommen vorbei, beurteilen die Situation und nehmen bei Bedarf Proben. In einer Woche hast du Gewissheit.
15 Minuten Erstgespräch, kostenlos.