Bleirohre findest du am ehesten dort, wo du selten hinschaust: im Keller, am Hausanschluss, hinter Verkleidungen unter dem Waschbecken.
So erkennst du Bleirohre
Optik: Grau-matt, stumpfe Oberfläche. Frische Kratzer schimmern silbrig. Bleirohre haben keine scharfen Kanten — die Verbindungsstellen sind wulstig verlötet, nicht verschraubt.
Härte: Blei ist weich. Ritz mit einem Schlüssel über das Rohr — wenn du leicht eine sichtbare Kerbe hinterlässt, ist es Blei. Kupfer und Stahl lassen sich nicht so leicht ritzen.
Klang: Klopf mit einem Metallgegenstand. Blei klingt dumpf und matt. Kupfer klingt hell, Stahl scheppert.
Magnettest: Blei ist nicht magnetisch. Damit schließt du Stahl aus (Stahl ist magnetisch), aber nicht Kupfer (auch nicht magnetisch).
Wo du nachschauen solltest
- Hausanschluss im Keller: Dort, wo die Wasserleitung ins Gebäude kommt. Hier sind Bleirohre am häufigsten.
- Steigleitungen: Die vertikalen Leitungen zwischen den Stockwerken.
- Unter der Spüle / unter dem Waschtisch: Die letzten Meter vor dem Wasserhahn.
- Altbauten in Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck: In diesen Städten sind Bleileitungen in Gebäuden vor 1970 keine Seltenheit.
Was die Grenzwerte sagen
In Österreich gilt derzeit ein Trinkwasser-Grenzwert von 10 µg/L Blei (Trinkwasserverordnung). Bleirohre schaffen diesen Wert nach längerer Stagnation häufig nicht.
Die EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184 verschärft auf 5 µg/L bis 12. Januar 2036. Das bedeutet in der Praxis: Alle Bleileitungen müssen raus. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Wie du sicher testest
Wasserprobe: Stagnationsprobe. Du lässt das Wasser mindestens 4 Stunden stehen (typisch: über Nacht), dann den ersten Liter in ein Probengefäß. Das Labor misst den Bleigehalt mittels ICP-MS. Kosten: €19 pro Element (Blei einzeln oder als Teil des 7-Element-Panels zu €133). Ergebnis in 3–10 Werktagen.
Die Wasserprobe sagt dir, was tatsächlich aus dem Hahn kommt — der entscheidende Wert für die gesundheitliche Bewertung. Optisches Erkennen (siehe oben) plus Stagnations-Probe ist die belastbare Kombination.
Was du tun solltest, wenn du Bleirohre findest
Dauerhaft: Austauschen. Es gibt keine Beschichtung, keinen Filter und keine Behandlung, die das Problem dauerhaft löst. Bleirohre raus, Kupfer oder Edelstahl rein.
Bis dahin: - Morgens Wasser 2 Minuten laufen lassen, bevor du es zum Kochen oder Trinken verwendest. Die Bleikonzentration ist nach Stagnation am höchsten. - Nur kaltes Wasser zum Kochen und für Getränke. Warmes Wasser löst mehr Blei. - Kein Bleileitungswasser für Babynahrung.
Nächster Schritt
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