PCB in Fugenmassen: Das Gift in der Fuge

Schadstoff-Guides 3 Min. Lesezeit Dr. Maximilian Mandl

PCB — polychlorierte Biphenyle — sind eine Gruppe von 209 synthetischen chlorierten Kohlenwasserstoffen. Thermisch stabil, chemisch träge, elastisch. Genau diese Eigenschaften machten sie zum idealen Zusatz in Fugenmassen, Dichtungen und Anstrichen. Und genau diese Eigenschaften machen sie heute zum Problem: PCB bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab.

In Österreich wurden PCB-haltige Fugenmassen zwischen etwa 1955 und 1978 massiv verbaut — vor allem in Betonfertigteilbauten, Bürogebäuden und Schulen. Seit 1988 ist PCB in Österreich verboten. Aber die Fugen sind noch da.

Wo PCB in Gebäuden steckt

In den Gebäuden, die wir begehen — vor allem Betonbauten der 1960er und 70er — finden wir PCB fast immer an denselben Stellen:

  • Gebäudefugen: Elastische Dichtmassen zwischen Betonfertigteilen, an Fassaden, zwischen Geschossdecken und Außenwänden. Das ist die häufigste Quelle.
  • Fensterfugen: Dichtmassen rund um Fensterrahmen, besonders bei Aluminiumfenstern aus den 1960er–1970er Jahren.
  • Dehnungsfugen: In Böden, Parkhäusern, Industriebauten.
  • Anstriche und Beschichtungen: Seltener, aber möglich — PCB wurde auch in Korrosionsschutzanstrichen und bestimmten Deckenplatten verwendet.

Die Fugenmassen sind typischerweise grau, beige oder schwarz, elastisch bis brüchig, und oft rissig. Das Alter sieht man ihnen an.

Warum PCB ein Problem ist

PCB gasen kontinuierlich aus der Fugenmasse in die Raumluft aus — über Jahrzehnte. Gleichzeitig reichern sie sich im Hausstaub an. Im Körper sind PCB fettlöslich: Sie lagern sich im Fettgewebe ein und werden nur extrem langsam abgebaut. Die biologische Halbwertszeit beträgt je nach Kongener 2 bis 15 Jahre.

Die IARC stuft bestimmte PCB-Kongenere als Karzinogene der Gruppe 1 ein — gesichert krebserregend. Weitere Gesundheitseffekte: Leberschäden, Immunsuppression, Störung des Hormonsystems (endokrine Disruption). Kinder und Schwangere sind besonders gefährdet.

In Österreich gilt ein Richtwert von 300 ng/m³ PCB-Summe in der Raumluft als Schwelle für Handlungsbedarf. Bei Werten über 3.000 ng/m³ sind sofortige Maßnahmen erforderlich.

PCB tritt häufig zusammen mit anderen Schadstoffen auf. In Gebäuden der 1960er–1980er finden wir neben PCB oft auch Asbest (→ Asbest erkennen) und alte KMF (→ KMF: Wann alte Dämmung zum Problem wird).

Wie wir PCB nachweisen

Wir entnehmen eine Materialprobe der verdächtigen Fugenmasse — ein kleines Stück von wenigen Zentimetern. Die Probe geht ins akkreditierte Labor, wo sie mittels GC-MS (Gaschromatografie-Massenspektrometrie) auf die relevanten PCB-Kongenere analysiert wird.

Bei Verdacht auf Raumluftbelastung — etwa wenn die Fugen großflächig offen liegen oder Beschwerden bestehen — können wir auch eine Raumluftmessung veranlassen.

Eine Materialanalyse kostet ab 95 Euro pro Probe. Ergebnis in 5–7 Werktagen.

→ Mehr zur PCB-Analyse

Was du tun solltest

PCB-Fugenmasse gefunden, intakt und keine Raumluftbelastung: Dokumentieren und bei der nächsten Sanierung fachgerecht entfernen lassen.

Fugen offen, rissig oder großflächig in Innenräumen: Raumluftmessung empfohlen. Bei Werten über 300 ng/m³: Maßnahmen einleiten — entweder Versiegelung der Fugen (reduziert die Ausgasung um 70–90 %) oder fachgerechte Entfernung.

Sanierung geplant: PCB-haltige Fugenmassen sind gefährlicher Abfall. Die Entfernung muss durch eine Fachfirma erfolgen — mit Schutzmaßnahmen ähnlich wie bei Asbest.

Wann du dich melden solltest

Du sanierst ein Bürogebäude oder eine Schule aus den 1960ern oder 70ern? Du siehst rissige, alte Fugenmassen an Betonfertigteilen? Du planst einen Fenstertausch in einem Gebäude dieser Ära?

Ein Schadstoff-Check vor dem Hauskauf (→ Schadstoffcheck Hauskauf) deckt PCB routinemäßig mit ab.

15 Minuten Erstgespräch, kostenlos.

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