DE|EN
Faktencheck Von Dr. Maximilian Mandl 4 Min. Lesezeit

Faktencheck: Die Falter-Aussagen von Hans-Peter Hutter zur Asbestbelastung

Zwei Aussagen des Taskforce-Leiters Hans-Peter Hutter im Falter, abgeglichen mit der öffentlichen Aktenlage: das Labor hinter den Szombathely-Werten und die Herkunft des Schotters.

Am 26. Mai 2026 hat Assoz. Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter, Leiter der Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität" des Landes Burgenland, im Falter (Ausgabe 22/2026) zwei Aussagen zur Asbestbelastung getroffen. Wir gleichen sie mit der öffentlich dokumentierten Aktenlage ab. Keine Wertung, nur die Quellen.

Erste Aussage: das Labor

Hutter im Falter:

„Unser Messtechniker kann die hohen Werte von Asbestfasern in der Umgebungsluft vor Ort, die ein ungarisches Labor gemessen hat, nicht nachvollziehen. Er selbst hat in Szombathely deutlich niedrigere Werte gemessen. Werte von bis zu 300.000 Fasern pro Kubikmeter Luft gibt es eigentlich nur in Steinbrüchen, wo asbesthaltiges Material zerkleinert wird. Wenn ein Bürgermeister solche Zahlen auf den Tisch bekommt, gerät er natürlich in Panik. Da muss er handeln. Wir halten sie aber nicht für realistisch."

Die Aktenlage:

Das „ungarische Labor" ist dasselbe Labor wie das der Taskforce. Greenpeace hält in der Aussendung vom 14. April 2026 fest: „Die Messungen wurden unter Beteiligung des gleichen Labors, das auch für das Land Burgenland aktiv ist, durchgeführt." Das Labor, das für die Taskforce misst, ist laut ORF Burgenland (2. Februar 2026) die Wiener ESW Consulting WRUSS: „Der Ziviltechniker Hakan Kuleci von der Firma ESW Consulting WRUSS". Dieselbe akkreditierte Firma wird in der ungarischen Begutachtung (KÖR-KER, Szakértői vélemény 2026_054 vom 8. April 2026) als beigezogenes akkreditiertes Labor genannt.

Auch die „deutlich niedrigeren Werte" haben eine dokumentierte Erklärung, und sie liegt nicht am Labor, sondern an den Messbedingungen. Greenpeace, 14. April 2026: „Der einzige Unterschied: Die Luftmessungen in Ungarn wurden bei trockenem Wetter unter Realbedingungen durchgeführt. Während das Land Burgenland sich auf den letzten Messergebnissen aus dem Winter ausruht ..." Die eigene Messung der Taskforce bei der Klinik Oberwart ergab 830 Asbestfasern pro Kubikmeter, gemessen bei „hohe[r] Luftfeuchtigkeit und nasser[m] Boden". Der Umwelttoxikologe Norbert Weis dazu: „Feuchtigkeit sei faserbindend." (Salzburger Nachrichten, 5. März 2026). Feuchtigkeit bindet die Fasern und senkt den Messwert. Der Richtwert der Taskforce liegt bei bis zu 1.000 Fasern pro Kubikmeter.

Und die hohen Werte „nur in Steinbrüchen"? Die bis zu 292.000 Fasern pro Kubikmeter wurden nicht in einem Steinbruch gemessen, sondern in einer Wohnsiedlung in Szombathely, auf einer Schotterstraße (Greenpeace, 14. April 2026; 20 Minuten, 16. April 2026).

Diese Aussage ist mit der öffentlich dokumentierten Aktenlage nicht vereinbar: Die hohen Werte wurden von demselben akkreditierten Labor ermittelt, das auch für die Taskforce des Landes misst, und die niedrigeren österreichischen Werte stammen aus fasersenkenden Winter- und Feuchtebedingungen.

Zweite Aussage: die Herkunft

Hutter im Falter:

„Das ist eine berechtigte Frage, obwohl nicht geklärt ist, ob dieser Schotter tatsächlich aus dem Burgenland stammt."

Die Aktenlage:

Die ungarische Steuer- und Zollbehörde NAV hat auf eine Datenanfrage hin ihre EKÁER-Frachtdaten offengelegt. Sie dokumentieren Lieferungen von Schotter aus den vier burgenländischen Brüchen, Pilgersdorf, Bernstein, Rumpersdorf (Glashütten) und Badersdorf, an ungarische Gemeinden. Laut der Auswertung von G7/Telex (27. Mai 2026) wurden zwischen 1998 und 2025 rund 2,8 Millionen Tonnen Stein und Schotter aus österreichischen Brüchen nach Ungarn geliefert; die NAV-Auswertung nennt rund 250 betroffene Gemeinden (HVG, 23. Mai 2026).

Die NAV-Lieferdaten waren seit dem 23. Mai 2026 öffentlich. Die Aussage, die Herkunft sei „nicht geklärt", datiert vom 26. Mai 2026.

Chronologie

  • 5. März 2026: Eigene Taskforce-Messung bei der Klinik Oberwart, 830 Fasern pro Kubikmeter, bei nassem Boden und hoher Luftfeuchtigkeit (Salzburger Nachrichten).
  • 8. und 14. April 2026: In Szombathely werden bis zu 292.000 Fasern pro Kubikmeter gemessen, unter Beteiligung desselben Labors, das auch für das Land Burgenland tätig ist; Ungarn ruft den Gesundheitsnotstand aus (KÖR-KER; Greenpeace).
  • 23. Mai 2026: Die NAV-Lieferdaten zu den vier Brüchen werden öffentlich (HVG).
  • 26. Mai 2026: Hutter im Falter: die Herkunft sei „nicht geklärt", die Werte halte man „nicht für realistisch".

Anmerkung

Hans-Peter Hutters Position ist durch seine Aussagen im Falter-Interview (Ausgabe 22/2026) wiedergegeben. Sollte einer der hier dargestellten Punkte nachweislich unzutreffend sein, korrigieren wir ihn.

Quellen

Fragen zum Thema? Kostenlose Erstberatung anfragen.

Lass uns über dein Gebäude sprechen

Schreib uns, ruf an, oder buch direkt einen Termin.

Nachricht senden

Wir melden uns innerhalb eines Werktags.

Kostenlos

Ruf einfach an

Du willst wissen, welcher Service der richtige ist? Ruf an — wir besprechen dein Projekt und planen die nächsten Schritte.

+43 720 732 583
Kostenlos

Telefonat vereinbaren

Passt gerade nicht? Wähl einen Termin, wir rufen dich an.

Anruf vereinbaren →