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Faktencheck Von Dr. Maximilian Mandl 6 Min. Lesezeit

Faktencheck: Hans-Peter Hutters Falter-Aussagen zu Asbest

Taskforce-Leiter Hutters Falter-Antwort zu Szombathely, an der Quellenlage geprüft: Labor und Werte hinter den Messungen und die Herkunft des Schotters.

Am 26. Mai 2026 hat Assoz. Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter, Leiter der Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität" des Landes Burgenland, im Falter (Ausgabe 22/2026, Interview von Matthias Winterer) zur Asbestbelastung in der ungarischen Stadt Szombathely Stellung genommen. Wir prüfen die tatsächlichen Behauptungen seiner Antwort an der öffentlich dokumentierten Quellenlage und benennen, wo eine Angabe von einer am Thema beteiligten Partei stammt. Keine Wertung der Person, nur die Quellen.

Die Frage und die Antwort

Der Falter stellte die Frage so:

„Die ungarische Stadt Szombathely will den Gesundheitsnotstand ausrufen. In einer Wohnsiedlung liegt Asbestschotter, wahrscheinlich aus dem Burgenland. Wird der Skandal in Österreich verharmlost?"

Hutters Antwort:

„Das ist eine berechtigte Frage, obwohl nicht geklärt ist, ob dieser Schotter tatsächlich aus dem Burgenland stammt. Unser Messtechniker kann die hohen Werte von Asbestfasern in der Umgebungsluft vor Ort, die ein ungarisches Labor gemessen hat, nicht nachvollziehen. Er selbst hat in Szombathely deutlich niedrigere Werte gemessen. Werte von bis zu 300.000 Fasern pro Kubikmeter Luft gibt es eigentlich nur in Steinbrüchen, wo asbesthaltiges Material zerkleinert wird. Wenn ein Bürgermeister solche Zahlen auf den Tisch bekommt, gerät er natürlich in Panik. Da muss er handeln. Wir halten sie aber nicht für realistisch."

Die Antwort enthält zwei prüfbare Stränge: die Messwerte samt Labor und die Herkunft des Schotters.

Das Labor und die Werte

Das „ungarische Labor" ist dasselbe Unternehmen, das auch für die Taskforce misst. Greenpeace hält in der Aussendung vom 14. April 2026 fest: „Die Messungen wurden unter Beteiligung des gleichen Labors, das auch für das Land Burgenland aktiv ist, durchgeführt." Das Labor der Taskforce ist laut ORF Burgenland (2. Februar 2026) die Wiener ESW Consulting WRUSS; genannt wird „der Ziviltechniker Hakan Kuleci von der Firma ESW Consulting WRUSS". Die Formulierung „ein ungarisches Labor" lässt diesen Zusammenhang offen.

Die niedrigeren österreichischen Werte haben eine dokumentierte Erklärung in den Messbedingungen. Die eigene Taskforce-Messung bei der Klinik Oberwart ergab 830 Asbestfasern pro Kubikmeter, gemessen bei „hohe[r] Luftfeuchtigkeit und nasse[m] Boden"; der Umwelttoxikologe Norbert Weis dazu: „Feuchtigkeit sei faserbindend" (Salzburger Nachrichten, 5. März 2026). Greenpeace-Umweltchemiker Herwig Schuster führt den Unterschied ebenfalls auf die Bedingungen zurück: Die ungarischen Messungen seien „bei trockenem Wetter unter Realbedingungen durchgeführt" worden, während sich das Land Burgenland „auf den letzten Messergebnissen aus dem Winter" ausruhe (Greenpeace, 14. April 2026). Feuchtigkeit bindet die Fasern am Boden und senkt den Messwert. Hutters eigene, niedrigere Messung vor Ort ist öffentlich nicht dokumentiert; ihre Bedingungen liegen nicht vor und lassen sich mit den sieben ungarischen Werten nicht unmittelbar vergleichen.

Zur Größenordnung: Der ungarische Laborbericht enthält laut Greenpeace „sieben Messungen mit Messergebnissen zwischen mindestens 35.000 und 292.000 Fasern pro Kubikmeter". Die 292.000 sind also der höchste, nicht der typische Wert, und Hutters „bis zu 300.000" ist die gerundete Nennung desselben Spitzenwerts, keine davon abweichende Größe. Selbst der niedrigste der sieben Werte liegt allerdings beim 35-Fachen des Taskforce-Richtwerts von 1.000 Fasern pro Kubikmeter.

Und die Aussage, solche Werte gebe es „eigentlich nur in Steinbrüchen"? Die bis zu 292.000 Fasern wurden nicht in einem Steinbruch gemessen, sondern in einer Wohnsiedlung in Szombathely, auf einer Schotterstraße (Greenpeace, 14. April 2026; 20 Minuten, 16. April 2026).

In der Summe: Das Labor ist dasselbe, die niedrigeren österreichischen Werte stammen aus fasersenkenden Winter- und Feuchtebedingungen, und der Spitzenwert wurde in einem Wohngebiet ermittelt, nicht in einem Bruch. Hutters Zweifel an der Repräsentativität eines einzelnen Spitzenwerts bleibt davon unberührt; seine Einordnung des Labors als bloß „ungarisches" und der hohen Werte als „nur in Steinbrüchen" steht dagegen in Spannung zur dokumentierten Quellenlage.

Die Herkunft

Der zweite Strang ist heikler, als die Schlagzeile vermuten lässt. Der Falter fragte nach Schotter „wahrscheinlich aus dem Burgenland"; Hutter antwortete, „nicht geklärt" sei, ob „dieser Schotter tatsächlich aus dem Burgenland stammt". Beide Wörter, „wahrscheinlich" und „nicht geklärt", betreffen die Zuordnung genau dieser einen, in Szombathely beprobten Schotterpartie.

Öffentlich dokumentiert ist der breitere Handelsweg. Die ungarische Steuer- und Zollbehörde NAV hat auf eine Datenanfrage hin ihre EKÁER-Frachtdaten offengelegt; sie dokumentieren Lieferungen von Schotter aus den vier gesperrten burgenländischen Brüchen, Pilgersdorf, Bernstein, Rumpersdorf (Glashütten) und Badersdorf, an ungarische Gemeinden. Laut der Auswertung von G7/Telex (27. Mai 2026) wurden zwischen 1998 und 2025 rund 2,8 Millionen Tonnen Stein und Schotter aus österreichischen Brüchen nach Ungarn geliefert; die NAV-Auswertung nennt mehr als 250 betroffene Gemeinden (HVG, 23. Mai 2026). Diese Frachtdaten waren seit dem 23. Mai 2026 öffentlich.

Sie belegen, dass asbestführender Schotter aus dem Burgenland großflächig nach Ungarn gelangte, also Warenströme und Erstbestimmungsorte, nicht aber, dass die Steine genau dieser einen Szombathelyer Straße aus einem bestimmten burgenländischen Bruch stammen. Die Zuordnung des konkreten Szombathelyer Materials zum Burgenland stützt sich auf Greenpeace und ungarische Behördenangaben; eine unabhängige forensische Bestätigung der einzelnen Partie ist daraus nicht abzuleiten. Hutters „nicht geklärt", auf eben diese Einzelzuordnung bezogen und als Antwort auf ein „wahrscheinlich" gegeben, ist insofern vertretbar, auch wenn der dokumentierte Handelsweg eine burgenländische Herkunft naheliegend macht.

Chronologie

  • 5. März 2026: Eigene Taskforce-Messung bei der Klinik Oberwart, 830 Fasern pro Kubikmeter, bei nassem Boden und hoher Luftfeuchtigkeit (Salzburger Nachrichten).
  • 14. April 2026: In Szombathely werden sieben Werte zwischen 35.000 und 292.000 Fasern pro Kubikmeter dokumentiert, unter Beteiligung desselben Labors, das auch für das Land Burgenland tätig ist; Ungarn ruft den Gesundheitsnotstand aus (Greenpeace).
  • 23. Mai 2026: Die NAV-Frachtdaten zu den vier Brüchen werden öffentlich (HVG).
  • 26. Mai 2026: Hutter im Falter: die Herkunft der konkreten Partie sei „nicht geklärt", die hohen Werte halte man „nicht für realistisch".

Anmerkung

Hans-Peter Hutters Position ist durch seine Aussagen im Falter-Interview (Ausgabe 22/2026) wiedergegeben; die zitierte Frage und Antwort sind ungekürzt übernommen. Mehrere der hier herangezogenen Einordnungen, etwa zum gleichen Labor, zu den Messbedingungen und zur Herkunft, stammen aus einer Aussendung von Greenpeace, einer am Thema beteiligten Organisation; wir kennzeichnen das. Sollte einer der dargestellten Punkte nachweislich unzutreffend sein, korrigieren wir ihn.

Quellen

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