Jede Bauepoche hat ihre typischen Schadstoffe. Wenn du weißt, wann dein Haus gebaut wurde, kannst du ziemlich gut abschätzen, was drin stecken könnte. Hier ist der Überblick — von Gründerzeit bis Neubau.
Vor 1945: Gründerzeit, Jugendstil, Zwischenkriegszeit
Typische Schadstoffe:
- Bleifarben: Bleiweiß, Bleimennige, Bleichromat — in Anstrichen an Fenstern, Türen, Heizkörpern, Fensterbänken. In Wiener Gründerzeithäusern finden wir regelmäßig Blei in mehreren Farbschichten übereinander. (→ Blei im Altbau)
- Teerprodukte: PAK-haltige Abdichtungen in Kellern und Fundamenten. (→ PAK im Altbau)
- Holzschutzmittel: Teilweise bereits ältere Produkte, vor allem bei sichtbarem Fachwerk. (→ Holzschutzmittel)
- Radon: Wie bei allen Baujahren — abhängig von Geologie und Bauweise, nicht vom Alter. (→ Radon in Österreich)
Typisch für diese Epoche: Hohe Bleibelastung, mehrere Farbschichten. Asbest noch selten.
→ Detailseite Baujahr vor 1945
1945–1960: Wiederaufbau
Typische Schadstoffe:
- Asbest: Taucht als Baumaterial auf — Eternitplatten an Dächern, erste Rohrummantelungen. (→ Asbest erkennen)
- PAK-Kleber: Schwarzer, teerartiger Kleber unter Parkettböden — ein Klassiker dieser Epoche. (→ PAK im Altbau)
- Bleileitungen: Noch verbaut als Trinkwasserrohre. (→ Blei im Altbau)
Typisch für diese Epoche: Einfache, schnelle Bauweise. Asbest-Dach, aber weniger Vielfalt an Schadstoffen als die nächste Phase.
→ Detailseite Baujahr 1945–1960
1960–1980: Die Peak-Phase
Das ist die Epoche, in der sich Schadstoffe stapeln. In einem typischen Gebäude aus den frühen 1970er Jahren finden wir regelmäßig 3–4 verschiedene Schadstoffe gleichzeitig.
Typische Schadstoffe:
- Asbest: Überall — Dach (Eternit), Fassade, Bodenbeläge (Floor-Flex), Rohrisolierungen, Elektro-Installationen, Nachtspeicheröfen. (→ Asbest erkennen)
- PAK: Schwarzer Parkettkleber, Dachpappen, Abdichtungen. (→ PAK im Altbau)
- PCB: Fugenmassen in Plattenbauten und Betongebäuden, besonders dauerelastische Fugen an Fassaden und zwischen Betonfertigteilen. (→ PCB in Fugenmassen)
- Bleileitungen: Letzte Generation, verbaut bis Anfang der 1970er. (→ Blei im Altbau)
- Holzschutzmittel: PCP und Lindan in Dachstühlen — flächig gestrichen oder getaucht. (→ Holzschutzmittel)
- KMF: Ältere, biopersistente Mineralwolle in Dach- und Fassadendämmung. (→ KMF)
Typisch für diese Epoche: Mehrere Schadstoffe gleichzeitig. Wer hier saniert, braucht einen systematischen Check.
→ Detailseite Baujahr 1960–1980
1980–1995: Übergangszeit
Die Verbote greifen langsam. Asbest wird 1990 in Österreich verboten (Herstellung), das Verwendungsverbot folgt 1993. Aber bis dahin sind noch späte Produkte im Einsatz.
Typische Schadstoffe:
- Asbest: Späte Produkte — weniger häufig, aber noch vorhanden. Besonders in Dachplatten, Fassadenverkleidungen, Rohren. (→ Asbest erkennen)
- KMF: Alte, biopersistente Mineralwollfasern bis Mitte der 1990er — danach wurden sie durch unbedenkliche Fasern ersetzt. (→ KMF)
- Holzschutzmittel: Letzte PCP- und Lindan-Produkte, vor dem Verbot 1990 (PCP) bzw. 2004 (Lindan EU-weit). (→ Holzschutzmittel)
Typisch für diese Epoche: Oft „nur" 1–2 Schadstoffe, aber KMF in fast jeder Dämmung.
→ Detailseite Baujahr 1980–1990
Nach 1995: Neubau
Die klassischen Altbauschadstoffe sind verschwunden. Aber neue Probleme können auftreten:
Typische Themen:
- VOC: Flüchtige organische Verbindungen aus Farben, Klebern, Bodenbelägen, Möbeln — besonders in den ersten Wochen und Monaten nach Einzug oder Sanierung. (→ VOC nach Sanierung)
- Formaldehyd: Aus Spanplatten, MDF, Klebstoffen. Die kritischste Einzelsubstanz unter den VOC. (→ VOC nach Sanierung)
- Radon: Auch bei Neubauten relevant, besonders in Schutzgebieten. Eine radondichte Bodenplatte ist in Radonschutzgebieten Pflicht — aber nur, wenn sie korrekt ausgeführt ist. (→ Radon in Österreich)
Typisch für diese Epoche: Weniger Altlasten, aber VOC-Probleme bei ungünstiger Materialwahl oder schlechter Lüftung.
→ Detailseite Baujahr nach 1990
Was das für dich bedeutet
Kenne dein Baujahr. Damit weißt du, wonach du suchen musst. Ein gezielter Check auf die wahrscheinlichsten Schadstoffe deiner Bauepoche ist günstiger und schneller als ein flächendeckendes Screening.
Je älter, desto mehr potenzielle Schadstoffe — aber auch je älter, desto besser erforscht und bekannter die Risiken. Gebäude aus den 1960er–1980er Jahren verdienen besondere Aufmerksamkeit.
Ein systematischer Check vor dem Kauf spart Geld, weil du gezielt prüfst statt alles auf Verdacht analysieren zu lassen. (→ Schadstoffcheck Hauskauf)
Wann du dich melden solltest
Du kennst dein Baujahr, aber nicht, was drin steckt? Du planst einen Kauf oder eine Sanierung und willst wissen, welche Analysen sinnvoll sind?
15 Minuten Erstgespräch, kostenlos. Wir sagen dir, worauf du bei deinem Baujahr achten musst.